Goethe-Gymnasium Freiburg

Mitten in der Stadt, nahe am Menschen

K1024 20190129 101242Ein Blick, der nicht mehr loslässt

Am 29.01.2019 las der Journalist Robert Domes vor den Schülern der K1 aus seinem Roman „Nebel im August“. Darin schildert er die Lebensgeschichte von Ernst Lossa, der 1933 im Alter von vier Jahren aus seiner Familie gerissen wurde. Als fahrende Händler wurde die Familie wie viele andere Jenische von den Nationalsozialisten ausgegrenzt und verfolgt.

Ernst lebte fortan in Waisenhäusern und nationalsozialistischen Erziehungsheimen, bis er schließlich im August 1944 mit 15 Jahren in der psychiatrischen Anstalt Irsee mit einer Überdosis Morphium getötet wurde. Bei seiner Einweisung notierte der Arzt, dass es keinen Befund gebe. Ernst Lossa war völlig gesund. Er wurde dennoch ein Opfer des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten, die etwa 300.000 Kranke, Behinderte und Psychiatriepatienten in ganz Deutschland töteten.

Domes las eindrückliche Passagen seines akribisch recherchierten Romans und bot den Schülern im Anschluss daran die Möglichkeit, mit ihm über Ernst Lossa, den Roman und dessen Verfilmung ins Gespräch zu kommen.

Während der Veranstaltung befand sich neben ihm auf der Bühne ein überlebensgroßes Porträt von Ernst Lossa, aufgenommen am Tag seiner Einweisung in die Psychiatrie in Irsee. Es ist das letzte Bild, das von ihm existiert, und als Robert Domes es in der Krankenakte von Ernst Lossa entdeckte, empfand er das Bild mit dem intensiven Blick des Jungen als drängende Aufforderung, dessen Lebensgeschichte zu erzählen. Wichtig sei ihm dabei immer gewesen, auf Augenhöhe des Opfers zu sein.

(Ein Bericht von Sabrina Dilly-Asal mit Bildern von Ruben Schuster)

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